CDs rippen damals vs. heute
Ich erinnere mich an damals™, als es noch keine großen Streaming-Anbieter gab und man seine Musik noch auf CDs zu Hause hatte. Ich bin sogar so alt, ich habe auch noch diverse Walk- und Discman genutzt. (Nebenbei: was war das für ein Fortschritt, als ich den ersten Discman mit »Anti-Shock-Technik« bzw. ESP hatte!) Irgendwann war dann das MP3-Format der heiße Scheiß, Musik-Dateien benötigten nur noch einen Bruchteil des Platzes. Und man konnte seine Musiksammlung auch digital am PC verwalten und abspielen (Winamp!), gerne auch für unterwegs mit dem MP3-Player aufbereiten.
Damit so eine Audio-CD im MP3-Format auf der Festplatte landete, war einiges nötig. Ich kann mich nur noch dunkel daran erinnern, aber da gab es das legendäre EAC (gibt es wohl heute immer noch). Damit wurde die Audio-CD ausgelesen und, sofern ein passender MP3-Kodierer (z.B. LAME ) installiert war, wurden die Audiodateien auch gleich ins platzsparende MP3-Format umgewandelt. Metadaten gab es auch noch, die wurden damals ebenfalls schon in ID3-Tags gespeichert. Und von mir meistens zuvor händisch eingegeben.
Da ging pro Audio-CD schon einiges an Zeit ins Land, besonders wenn man es noch mit Lesefehlern und sonstigen Nickeligkeiten zu tun hatte. Ich glaube, den Großteil meiner aktuellen Musiksammlung habe ich noch mit Windows (aktuell waren damals die Versionen von Windows 95 und NT 4.0 bis Windows Vista und Windows 7) von Audio-CD in MP3 umgewandelt. Die CDs stehen im Keller, die Musiksammlung im MP3-Format ist über die Jahre immer im Datenbestand geblieben.
Mit der Zeit kamen weniger selbst gerippte CDs hinzu, dafür kam mehr als »Fertig-MP3« von Bandcamp. Und irgendwann habe ich keine CDs mehr gekauft - die Sammlung blieb so, wie sie ist. Und dann kamen Streaming-Dienste, und die Sammlung wurde immer uninteressanter, wenn doch sowieso alles bei Spotify & Co. verfügbar ist.
Aus diversen Gründen habe ich seit einiger Zeit meine private MP3-Datenbank wieder in aktiver Nutzung, mittels Navidrome. Somit kann ich auch von unterwegs darauf zugreifen. Und hin und wieder kaufe ich auch mal neue Musik, jedoch gleich als Download - dann wandern die neuen MP3- oder FLAC-Dateien gleich in die Sammlung. Letztens hatte ich jedoch den Schalk im Nacken und habe mich dazu hinreißen lassen, neben ein paar MP3-Dateien auch noch eine physische CD zu bestellen. Dabei ist etwas schiefgegangen, das ist jedoch eine andere Geschichte - überraschenderweise kam der bestellte physische Datenträger die Tage jedoch an. (Reaktion vom Künstler auf meine Nachrichten bisher übrigens immer noch genau Null…)
Nun stellte sich mir die Frage: Wie bekomme ich die CD in meine Navidrome-Sammlung? Inzwischen läuft auf allen Geräten Linux, EAC ist eine Windows-Only-Software. Außerdem haben die Computer keine CD-Laufwerke mehr…
Ich erinnerte mich, dass ich irgendwo noch ein USB-CD-Laufwerk in einer Schublade hatte. Angesteckt, Audio-CD eingelegt, im Dateimanager (Dolphin) geöffnet: Und siehe da, mir werden alle Titel direkt zum Kopieren angeboten! Wahlweise als FLAC, Ogg Vorbis, WAV oder CDa. Irgendwie würde ich vermutlich auch noch MP3-Dateien herausbekommen, aber wenn ich FLAC bekommen kann, warum dann auf MP3 zurückgreifen? Bonus: Sogar die Metadaten wurden gleich automatisch erkannt und gespeichert!
Das Ganze hatte nichts, aber auch gar nichts mehr mit den teils ewigen Auslese- und Kodiervorgängen vergangener Tage zu tun. Ich bin begeistert!